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Biografiearbeit mit Eltern

Beachten Sie auch unsere neue Publikation:


Geschichten, die Mut machen - Ressourcenorientierte Biografiearbeit mit Eltern und Großeltern.

Mehr dazu HIER

Eine Teilnehmerin von "Meine Geschichte(n) für Dich" schreibt für ihr Kind.

Während Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen inzwischen größere Verbreitung findet, gibt es für Biografiearbeit mit Eltern nur wenige dokumentierte Beispiele aus der Praxis. Tschöpe-Scheffler (2006, S. 296) nennt als zentrales Merkmal von Elternbildungskonzepten die Ermutigung und Unterstützung zur Selbsterfahrung und Selbsterziehung. Zu den methodischen Bausteinen zählt sie auch Biografiearbeit.


Biografiearbeit mit Eltern mit Migrationshintergrund

In der Arbeit mit Eltern mit Migrationshintergrund nimmt Biografiearbeit einen zunehmend größeren Stellenwert ein. So betrachten Altan/ Eißler/ Pfendtner (2011, S. 89) Biografiearbeit als wichtige Methode der Elternsozialarbeit mit MigrantInnen: „Durch diese Methode lernen die TeilnehmerInnen, welche belastenden, aber vor allem welche unterstützenden Werte sie von ihrer Familie und Umgebung erworben haben. Die TeilnehmerInnnen hören verschiedene Lebensgeschichten und lernen voneinander, welche Stärken sie bisher entwickelt haben“. Eine Tradition, in der sich Biografiearbeit befindet, ist die Oral History, die ihre Ursprünge in den Geschichtswissenschaften hat (Miethe 2011, S. 89ff). Damit ist die Alltags- und Erfahrungsgeschichte der sogenannten einfachen Leute gemeint, wie sie in den Geschichtsbüchern meist nicht zu finden ist. Oral History-Ansätze mit ihrem Ziel, Menschen „als ‚Objekte’ der großen historischen Prozesse zu ‚Subjekten’ ihrer eigenen Geschichte werden zu lassen“ (ebd., S. 91) stellen auch für MigrantInnen eine Möglichkeit dar, sich ihrer eigenen Geschichte zu bemächtigen.

Wer sich in Projekten zur Biografiearbeit mit kultureller Herkunft befasst, muss sich – um den ethischen Rahmenbedingungen für Biografiearbeit gerecht zu werden – auch als Anleitende/r mit der eigenen kulturellen Herkunft auseinanderzusetzen. Dies bedeutet, die Konstruiertheit kultureller Muster und Selbstverständlichkeiten anzuerkennen – „nicht nur die anderen sind ‚anders’, sondern auch wir selbst“ (Altan et al. 2009, S. 15 nach Mecheril, 2004).


Ressourcen anerkennen

Ressourcenorientierung bedeutet, den Blick auf Potenziale zu richten, auch im Zusammenhang mit Migration. „Werden Migranten und Migrantinnen als deutende und handelnde Subjekte wahrgenommen, stehen nicht Defizite, abweichendes Verhalten und Schwächen im Fokus des Blickes auf die Kinder, Jugendlichen und Eltern mit Migrationshintergrund, sondern ihr selbstbewusster Umgang mit ihrer Lebenssituation“ (Altan et al. 2009, S. 15). Ressourcenorientierung in der Biografiearbeit bedeutet, die Anlässe, die Migration zur Herausbildung von Stärken und konstruktiven Problembewältigungsstrategien bietet, in den Mittelpunkt zu stellen. „Die mit Migration verbundenen Erfahrungen [beinhalten] nicht nur Risiken für die Identitätsentwicklung […], sondern auch Chancen und Erweiterungen der persönlichen und kulturellen Kreativität“ (King 2005, S. 34). So stellen bikulturelle Identitäten und Bilingualismus laut Uslucan (2011, S. 559-564) wesentliche Entwicklungschancen dar.


Geschichten und Sprachenvielfalt als Ressource

Wie sich in unseren Projekten zeigt, scheinen erzählerische Fähigkeiten zu den Ressourcen vieler MigrantInnen zu gehören. Neben der Tatsache, dass der Prozess der Migration „Erzählstoff“ mit sich bringt, zeigt sich nicht selten ein Vertrautsein mit narrativen Formen, die in der Familie bzw. im Herkunftsland selbstverständlich weitergegeben wurden. Vor allem ältere TeilnehmerInnen lassen einen starken Bezug zu mündlichen Erzählungen erkennen, wenn sie tra- ditionell damit in Berührung gekommen sind. Das Spektrum der TeilnehmerInnen an unserem Kurs Meine Geschichte(n) für Dich reicht von der Aussage: „So etwas habe ich noch nie gemacht!“ bis hin zu einem ausgeprägten Bewusstsein von der Einmaligkeit des eigenen Lebensweges. Ressourcenorientierung in der Biografiearbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund beinhaltet auch, die Muttersprache als Ressource zu begreifen. Es geht in unseren Projekten nicht um einen versteckten Deutschunterricht. Die Unterstützung beim Niederschreiben geschieht selbstverständlich und nebenbei, wenn möglich auch mit Hilfe anderer ProjektteilnehmerInnen. Das Lektorat der geschriebenen Texte betrifft ausschließlich die Sprache und nicht den Erzählduktus oder den Inhalt. Gleichzeitig werden auch Texte in der Muttersprache verfasst, was nicht selten dazu führt, dass die TeilnehmerInnen ihre Ausdrucksfähigkeit auf die deutschen Texte übertragen.


„Meine Geschichte(n) für Dich“

Im Rahmen unseres Projektes Meine Geschichte(n) für Dich verfassen die TeilnehmerInnen für ihre Kinder bzw. Enkelkinder kleine Bücher, in denen sie von ihrer eigenen Kindheit und Jugend und aus ihrem Herkunftsland bzw. dem Herkunftsland der Familie berichten. Dazu kommen persönliche Fotos, Landkarten und Bilder, teilweise von den Kindern gemalt, die die Texte ergänzen.

Die Projekteinheiten sind so aufgebaut, dass die TeilnehmerInnen sich im ersten Teil vor allem mündlich mit einem Thema befassen, das zu Beginn vorgegeben, im Laufe des Kurses zunehmend selbst gewählt wird. Ziel ist dabei auch das gegenseitige Kennenlernen und das Schaffen eines Vertrauensverhältnisses. Themen, die angesprochen werden, sind u. a. Kindheit/ Jugend/ Herkunftsland/ Lebensort(e) in Deutschland/ Wegfahren und Ankommen/ Geschichten zum Lachen/ Lerngeschichten. Im ersten Teil erhalten die Eltern Gelegenheit, sich über persönliche Themen auszutauschen. Im zweiten Teil steht dann das Erzählen für die eigenen Kinder im Vordergrund. Um den Schritt zum ersten Schreiben möglichst einfach zu gestalten, folgt das Verfassen von kleinen Texten und Kurzgedichten, entweder frei oder nach Vorgaben (vgl. Finke/ Thums-Senft 2008). Während der letzten Treffen arbeiten die TeilnehmerInnen am Computer, um ihre mündlichen und/ oder handschriftlich verfassten Erzählungen einzugeben, wobei die Ergebnisse von Woche zu Woche durch die Anleiterin lektoriert werden.

Hier finden sie mehr zu Biografiearbeit mit Eltern.

 

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